POPCAMP - NEWS

Happy Releaseday, Coucou!
- 2011 war die Band Coucou im PopCamp. Was ist seitdem passiert? Zum Release-Tag ihrer neuen EP "Girl" haben sie uns erzählt, wie sie die letzten neun Jahre verbracht haben!

Euch als Band gibt es seit 10 Jahren - und vor 9 Jahren wart ihr im PopCamp dabei - was ist seitdem bei euch musikalisch alles passiert? Was waren die Highlights eurer bisherigen Karriere?

Als wir vor 9 Jahren im Popcamp waren, waren wir alle drei noch recht unerfahren. Die Band hatte gerade erst ihre ersten Auftritte hinter sich und unser Repertoire war auch noch nicht so groß bzw. noch nicht so vielseitig. Seitdem ist schon einiges passiert. Wir haben inzwischen viele Konzerte gespielt, sind wesentlich souveräner in unserem Selbstverständnis als Musikerinnen, trauen uns viel mehr mit unserer Besetzung rumzuexperimentieren. Unser Debütalbum „Paperskin“, das wir 2016 veröffentlicht haben ist auf jeden Fall ein Highlight für uns. Wir sind auch heute noch sehr glücklich mit dem, was wir damals aufgenommen haben. Aber 2019 und 2020 sind auch sehr wichtige Jahre in denen sich super viel bewegt hat bei uns. Und damit meine ich jetzt gar nicht in erster Linie, dass jetzt wieder eine neue Scheibe rauskommt, was natürlich toll ist, sonder eher, dass wir musikalisch ein paar riesige Schritte gemacht haben.

 

Wie klang Coucou damals - und wie klingt ihr heute? Einen Vorgeschmack auf eure EP konnten wir ja schon durch die Single „There’s a Place“ bekommen, ein melancholischer Song, der gerade ganz wunderbar in diese Zeit passt. Was erwartet uns auf der EP?

Damals bei „Paperskin“ haben wir unsere etwas ungewöhnliche Besetzung (E-Gitarre und zwei Stimmen) noch sehr viel enger und limitierter aufgefasst. Auf der Platte ist alles ziemlich puristisch, sehr transparent und akustisch was auch schön ist und definitiv den Charm des Albums ausmacht. Bei „Girl“ wollten wir besonders was die Klangästhetik angeht mutiger sein. Zum einen spielen Janda und ich mittlerweile auf viel mehr Tracks auch Gitarre, was dazu führt, dass Steffi sich öfter wegbewegen kann von der reinen Begleiterinnen Funktion und mehr mit ihren diversen Effektgeräten rumspielen kann und sich da klanglich viel mehr auslebt als früher. Zum anderen kommen jetzt auch mehr ungewöhnliche Instrumente dazu. Bei einem Song kommt der komplette Beat zum Beispiel von einem alten Omnichord (das ist ein sehr interessantes Instrument, gerne mal googeln wer es nicht kennt :-)) und bei einem anderen Song benutzen wir einen Drumcomputer. Dazu kommen natürlich wie immer auch analoge Sounds und viel Zweistimmigkeit beim Gesang. Für die Aufnahmen haben wir uns außerdem mit dem Produzenten Olaf Opal zusammengetan. Dieser Input war auch auf jeden Fall sehr wichtig für uns. Alles klingt jetzt irgendwie poppiger, größer aber gleichzeitig auch ungewöhnlich und mit Ecken und Kanten. Das war uns auch wichtig, nicht so sehr nach „Schönklang“ zu gehen sondern auch etwas mehr Dreck zuzulassen.

 

Wie ist die EP entstanden? Wie läuft bei euch das Songwriting ab - ih seid drei Personen, wie bekommt ihr alle Meinungen unter einen Hut?

Der Songwriting Prozess sieht bei uns so aus, dass jede von uns erst mal alleine schreibt, manchmal einfach so, manchmal auch explizit für Coucou und wenn es eine gute, starke Song Idee gibt, dann fangen wir zu dritt an, sie auszuarbeiten und zu arrangieren. Da wir in verschiedenen Städten wohnen (Janda und Steffi in Leipzig und ich in Berlin) treffen wir uns dann immer gleich für mehrere Tage und arbeiten dann sehr intensiv an den neuen Sachen. Alle Meinungen, Gefühle und Wünsche unter einen Hut zu bringen ist natürlich nicht immer einfach. Manchmal dauert es echt lange, bis wir etwas gefunden haben, mit dem alle glücklich sind aber so ist das nun mal in einer Demokratie. Am Ende lohnt es sich aber, mehr Zeit und Energie zu investieren, weil wir im Endeffekt alle drei auf der Bühne stehen und uns einfach wohl fühlen mit dem was wir da machen und das ist uns wahnsinnig wichtig.

 

Die EP ist bald draußen. Habt ihr Pläne für die nächste Zeit?

Es ist zur Zeit ehrlich gesagt sehr schwierig, Pläne für die nähere und mittelfristige Zukunft zu machen. Normalerweise wären wir jetzt auf Release Tour und wie verrückt am booken für nächstes Jahr. Das ist gerade einfach nicht möglich. Natürlich wollen wir so schnell wie möglich wieder auf die Bühne und die neuen Songs wollen ja auch gespielt werden. Wir hoffen sehr, dass sich die Situation bald dahingehend entspannt, dass das Live Geschäft wieder planbarer wird. Wir versuchen, uns nicht unterkriegen zu lassen und offen zu sein für alles, was jetzt in nächster Zeit passiert.

 

Ihr seid seit 10 Jahren in der Musikbranche unterwegs. Wie hat sie sich eurer Meinung nach in der Zeit verändert? Was würdet ihr jungen Menschen, die gerade versuchen, sich in der Musikbranche einen Platz zu suchen, raten?

In den letzten 10 Jahren hat sich das ganze Musikgeschäft sehr stark in den digitalen Raum verschoben. Streaming Dienste wie Spotify und Apple Music gab es als wir angefangen haben noch nicht und Menschen haben tatsächlich noch CDs gekauft. Ich komme mir sehr alt vor wenn ich so etwas sage aber es ist schon verrückt, wie schnell das alles ging. Dadurch ist alles sehr viel schnelllebiger geworden. Es wird von uns Musiker*innen erwartet, dass wir ständig neuen Output generieren. Ich denke an viele Gespräche mit anderen Musiker*innen oder Leuten aus der Branche, in denen dann so Sachen gesagt werden wie: „man muss regelmäßig etwas posten und auch wenn man gerade nichts neues hat, dann muss man sich halt was aus den Fingern saugen. Sonst drosselt einen der Algorithmus runter und man hat eine schlechtere Reichweite!“. Darum geht es jetzt viel: Wie kann ich den Algorithmus so zu frieden stellen, dass ich auf Social Media möglichst gut „performe“? Das ist schon ein Thema für sich und damit musste man sich früher einfach nicht auseinandersetzen. Wir finden das schon sehr anspruchsvoll und herausfordernd bei alle dem nicht den Blick für’s Wesentliche, die Musik, zu verlieren. Mit Corona hat sich diese Entwicklung auch noch dahingehend verschärft, dass jetzt sogar auch mehr und mehr Live Konzerte im Netz als Streaming Ereignis stattfinden. Das ist ja auch cool und macht offensichtlich auch Sinn in der jetzigen Situation aber ich hoffe, dass es sich, wenn der ganze Spuk vorbei ist, wieder normalisiert und die Menschen weiterhin gerne rausgehen um Konzerte wirklich miteinander zu erleben.

Und zur letzten Frage:

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich jungen Menschen irgendeinen guten Rat geben kann deswegen lasse ich es lieber. Man muss seine Erfahrungen selbst machen und es gibt keine universellen Regeln dafür, was gut und richtig ist und was man auf keinen Fall machen sollte. Wir machen das jedenfalls alles in erster Linie aus Liebe zur Musik und hoffen, dass das für unser Publikum auch spürbar und hörbar ist.

 

Vielen Dank für das Interview und Happy Releaseday!